Interview aus dem Manager-Magazin -
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"Wir stehen am Anfang einer Boomphase"

Von Martin Scheele

Es lohnt sich, in Kunst zu investieren. Dieser Meinung ist Edgar Quadt, Mitherausgeber des neuen Fachbuchs "ArtInvestor". Im Interview mit mm.de erklärt er, warum sich die Geldanlage in Kunst lohnt, wie man den Kauf von Fälschungen vermeidet und wie sich der Markt voraussichtlich entwickeln wird.

mm.de: Herr Quadt, Sie haben zusammen mit Lothar Pues das Buch "ArtInvestor", ein Kompendium zum Kunstbetrieb, herausgegeben. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen und was beinhaltet das Werk?

Edgar Quadt: Der "ArtInvestor" behandelt alle Themen rund um Kunst und Markt und macht die Welt des Kunstmarkts transparenter. Das Buch beschränkt sich allerdings nicht auf den Aspekt der Preisbildung der Ware Kunst. Vielmehr beleuchtet es den Umgang mit Kunst in Galerien etc. und verweist gleichzeitig auf die aktuelle Lage der Marktteilnehmer selbst. Beiträge zum Kulturmanagement, zu Public-Privat-Partnerships und Recht und Steuern runden das Bild vom Kunstmarkt ab. Geschrieben sind die Beiträge vom Who's who der Kunstszene. In dieser Form ist das Buch einmalig.

mm.de: Welche Zielgruppe sprechen Sie mit dem Buch an, und wem raten Sie, in Kunst zu investieren?

Quadt: Eigentlich ist Art Investing etwas für jeden, auch für "Tante Erna". Man muss sich vorher natürlich klar werden, welchen Künstler man mag. Generell sei gesagt: Kunst sollte als langfristige Anlage gesehen werden. Insofern kann sie einerseits eine sehr erfolgreiche Vermögensanlage sein, zum anderen aber auch eine spezielle Form der (Alters-)Absicherung. Kunst ist somit eine Form des Vermögenserhalt. Ich halte es für durchaus angebracht, fünf bis zehn Prozent seines Vermögens in Kunst anzulegen. Man sollte allerdings das Kapital nicht nur in einen Kunstbereich investieren, sondern mischen.

mm.de: Welche Bereiche unterscheiden Sie denn?

Quadt: Da muss man zunächst deutlich trennen zwischen Investment und Spekulation. Spekulation ist das schnelle Geschäft, die auf kurzfristige Rendite abzielt. Wir legen den Schwerpunkt des Buches auf Investment. Hierbei unterscheiden wir - vergleichbar mit der Börse - in drei Bereiche. Für mich gibt es so gesehen Dax-, MDax- und Nemax-Werte.

mm.de: Können Sie einzelne Beispiele für die Gruppen nennen?

Quadt: Dax-Werte sind zum Beispiel Werke der klassischen Moderne, kunstgeschichtlich arrivierte Künstler, also Picasso oder Nolde. Werke dieser Maler werden nicht an Wert verlieren, weil das Angebot knapp ist. Die Nachfrage steigt hingegen sogar. Ähnlich entwcikelt sich es sich momentan bei den deutschen Expressionisten wie Max Beckmann. Die werden mittlerweile im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich gehandelt.

mm.de: Und der Neue Markt im Bereich Kunst?

Quadt: Das sind junge Künstler, die gerade im Trend liegen. Die Gefahr ist, dass diese in fünf Jahren vergessen und damit praktisch nicht mehr verkaufbar sind. Absolut trendy ist derzeit Andreas Gurski. 600.000 Dollar werden für seine zwei Mal drei Meter große Fotoarbeiten gezahlt.
Da muss man zunächst deutlich trennen zwischen Investment und Spekulation. Spekulation ist das schnelle Geschäft, die auf kurzfristige Rendite abzielt. Wir legen den Schwerpunkt des Buches auf Investment. Hierbei unterscheiden wir - vergleichbar mit der Börse - in drei Bereiche. Für mich gibt es so gesehen Dax-, MDax- und Nemax-Werte.

mm.de: Wie kann man überhaupt sicher gehen, dass man beim Kauf nicht auf eine Fälschung hereinfällt?

Quadt: Das ist ein Problem, aber zugleich Herausforderung und Chance. Grundsätzlich gilt: Wer ein Investment plant, der sollte sich über Eigenschaften, Marktsituation und Entwicklungen informieren. Diese Informationsnachfrage, der Wunsch nach mehr Transparenz, ist für den Kunstmarkt jedoch noch eine ungewohnte Erscheinung.

mm.de: Warum?

Quadt: Das liegt zum einen in der Natur der Sache: Selbst die Werke ein und desselben Künstlers sind häufig nicht zu vergleichen. Kunst ist ein heterogenes Gut. Jede Leinwand ist eben unterschiedlich, Kunstwerke werden von der Galerie A zum Preis X, von der Galerie B zum Preis Y angeboten. Zum anderen herrscht am Kunstmarkt eine dezentrale Anbieterstruktur. Informationen sind ungleich schwieriger, zeitintensiver und unvollkommener zu erschließen als in anderen Märkten.

mm.de: Das müssen Sie uns genauer erläutern.
Quadt: Um als privater Interessent Kunst zu kaufen, muss man sie mögen. Um sich zu informieren, rate ich Interessenten, Messen zu besuchen wie die Art Cologne, wo über 260 Galeristen ausstellen. Das ist der beste Weg, in die Branche hereinzukommen. Die Messen haben sehr strenge Auswahlkriterien, damit schwarze Schafe es erst gar nicht auf die Messe schaffen. Daneben gibt es eben das Internet und zahlreiche Print-Publikationen, wie zum Beispiel auch des Magazins "ARTinvestor". Hinweisen möchte ich auch auf die weltweit größte Kunst-Datenbank artprice.com.

mm.de: Was ist mit Auktionen?

Quadt: Üblicherweise ist das sogar die günstigere Art. Man braucht allerdings mehr Wissen - es sei denn, man hat einen Berater. Häufig kaufen auch Galeristen auf Auktionen, schlagen dann locker hundert Prozent und mehr Marge auf.

mm.de: Wie sieht es steuertechnisch aus? Was muss man wissen, wennn man die erworbenen Schätze und den damit erzielten Gewinn nicht mit dem Finanzamt teilen will?
Quadt: Eine sehr aktuelle Frage. Kunsterwerb unterliegt dem ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent. Eine Erhöhung des Satzes ist derzeit von der Bundesregierung nicht geplant. Kunst wird also noch subventioniert. Hinzu kommt: Kauft man Kunst als Privatmann, kann man diese nach einem Jahr steuerfrei verkaufen. Die Gewinne müssen nicht versteuert werden.

mm.de: Was halten Sie von Kunstfonds?

Quadt: Manche Kunstfonds bestehen schon seit Jahrzehnten. Diese Anlage widerspricht natürlich dem Gedanken, dass man etwas von der Kunst auch hat. Viele Fonds sprechen aber vor allem Großanleger an - mit Mindesteinlagen von 250.000 Dollar. An Kleinanleger richten sich zwei Fonds, die dieses Jahr eingerichtet werden sollen.

mm.de: Geben Sie uns einen Ausblick - wie wird sich der Kunstmarkt entwickeln?

Quadt: Weltweit gibt es derzeit etwa 500.000 Sammler. In den nächsten wird sich die Zahl auf zwei Millionen erhöhen. In Deutschland werden vermehrt Menschen in Kunst investieren - allein wegen der Erbengeneration.

Folge: Die Preise werden steigen. Langfristig gesehen befinden wir uns am Anfang einer Boomphase, das Angebot von Qualität wird immer knapper. Voraussetzung, dass es weiter bergauf geht, ist allerdings, dass die Konjunktur in Deutschland wieder anzieht und kein Irak-Krieg ausbricht.





Einer der Herausgeber des "ArtInvestor": Edgar Quadt

Zweiter Herausgeber des "ArtInvestor": Lothar Pues